Chronik der FFW Eberspoint
Seit Menschengedenken wird auf der Welt die Bevölkerung von verheerenden Bränden heimgesucht,
viele haben ihr Leben und noch viel mehr Hab und Gut verloren. Wie in vielen anderen Orten,
so haben sich auch in Eberspoint im Jahre 1877, also in einer Zeit, in der noch jeder auf seinen
Nachbarn und Mitbewohner angewiesen war, beherzte Männer zusammengefunden um ein freiwillige
Feuerwehr ins Leben zu rufen. Da Aufzeichnungen erst seit Ende des 2. Weltkrieges vorhanden sind,
ist eine Aufstellung der Gründungsmitglieder und einer Chronologie des Werdegangs nur lückenhaft
darstellbar bzw. sind nicht alle zeitlichen Angaben belegt.
Aus der Ansprache des Kommandanten zum 100-jährigen Gründungsfest ist zu entnehmen, dass als
Gründungsmitglieder folgende Personen festgehalten sind:
Selmeier Lorenz, Birnkamm
Attenberger Anton, Raffelberg
Abholzer Lorenz, Alteberspoint
Eder Martin, Alteberspoint
Hingerl Josef, Haselbach
Diesen Männern, deren oberstes Gebot es war, dem Nächsten zu helfen in Not und bei Brand, sowie bei
sonstigen Katastrophen ist es zu verdanken, dass es in Eberspoint seit nun mehr als 125 Jahren eine
Freiwillige Feuerwehr gibt.
Mit viel Idealismus und Tatendrang ging die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr vonstatten und schon
1 Jahr später ist aus der Jahresstatistik des Amtsbezirks Vilsbiburg zu entnehmen, dass der
Eberspointer Wehr im Jahre 1878 bereits 54 Mann angehören.
Der 1.Vorstand dieser Feuerwehr war Lorenz Selmeier, der wahrscheinlich 1878 von Johann Häringer
abgelöst wurde, da aus nachfolgenden abgebildetem Zeitungsbericht über den am 23.06.1878
stattgefundenen Bezirksfeuerwehrtag ein Eberspoint zu entnehmen ist, dass Johann Häringer von Eberspoint
als Ausschussmitglied in den Bezirksausschuss gewählt wurde.In diesem Bericht ist auch zu lesen, dass die
Eberspointer Feuerwehr zu jener Zeit bereits „wohlausgerüstet und gut geschult“ war.
Sontag, den 23.Juni wurde zum Eberspoint der Bezirksfeuerwehrtag für den hiesigen Amtsbezirk abgehalten
und entnehmen wir den dabei gepflogenen Verhandlungen folgendes:
Nach Verlesung des Protokolls vom Vorjahr wurde die vom Landesausschusse am 1.Oktober 1877gefassten
Beschlüsse bekannt gegeben und in der Hauptsache angenommen. Sodann wurde zur Revision der Jahresstatistik
geschritten, deren Ergebnis den Stand der freiwilligen Feuerwehr im Amtsbezirk Vilsbiburg festgestellt wie folgt:
Altfrauenhofen 47 Mann, Angerbach 52 Mann, Eberspoint 54 Mann, Frontenhausen 63 Mann, Geisenhausen 63 Mann,
Gerzen 50 Mann, Haarbach 39 Mann, Kröning 44 Mann, Neufraunhofen 45 Mann, Pauluszell 68 Mann, Velden 80 Mann,
Vilsbiburg 135 Mann, Wurmsham 70 Mann, Wolferding 34 Mann.
Zur Unterstützung aus Kreismittel sollen empfohlen werden: Die Feuerwehr Gerzen, Haarbach, Neufraunhofen,
Geisenhausen, Angerbach, Wolferding und zwar die ersteren drei Vereine zur Anschaffung von Feuerspritzen, die
letzteren drei zur Beschaffung von Requisiten.
Bei der Wahl des Ausschusses ging hervor: Harr Urban von Vilsbiburg als Bezirksvertreter, Herr Denk von
Frontenhausen als dessen Ersatzmann, dazu die Herren Neumaier von Gerzen, Häringer von Eberspoint, Pikl von Velden,
Knab von Neufraunhofen, Lorenz von Geisenhausen als Ausschussmitglieder.
Der Antrag des Herrn Denk von Frontenhausen, dahingehend, dass Art. 9 der Verordnung, wonach jeder männliche
Einwohner vom 18. Lebensjahr an, ohne Rücksicht auf den Stand, sofern er nicht Mitglied der freiwilligen Feuerwehr
ist, der Pflichtfeuerwehr einverleibt wird, streng gehandhabt werden soll, wurde angenommen. Für die Abhaltung des
nächsten Bezirksfeuerwehrtages, der in der ersten Hälfte des kommenden Jahres tagen soll, wurde Frontenhausen bestimmt
und die Wahl des Abhaltungstages selbst in das Pouvoir des Bezirksvertreters gestellt.
Nach eingebrachtem, gemeinschaftlichen Mittagsmahl wurde eine Übung der Freiwilligen Feuerwehr Eberspoint
abgehalten und nach Beendigung derselben hielt Herr Bezirksamtmann Eschenbach von Vilsbiburg eine Belehrende Ansprache
an die anwesenden Feuerwehrmänner und brachte aus unseren geliebten König ein dreifachiges Hoch aus, in das die
Versammelten begeistert einstimmten.
Den Schluss bildeten eine gesellige Unterhaltung im Bräu-Keller , allwo Herr Bezirksvertreter Urban von Vilsbiburg
in einer Ansprache der wohlausgerüsteten und gut geschulten Feuerwehr Eberspoint seine Anerkennung sollte, ihr für den
freundlichen Empfang der Gäste dankte und namentlich die zahlreiche anwesenden Bauern aufforderte, ein so gemeinnütziges
Institut wie die Feuerwehr es ist, nach Kräften unterstützen zu wollen.
Vilsbiburger Zeitung vom 26. Juni 1878
In dieser Gründungszeit musste die Vorstandschaft eine enorme Aufbauarbeit leisten. Es mussten alle
notwendigen Löschgeräte, Schläuche. Uniformen etc. beschafft werden, um eine einsatzbereite Feuerwehr zu
haben. Da dies in der damaligen Zeit nicht ganz so einfach war, kannte dies nur durch Spenden aus der
Bevölkerung und durch Finanzierung durch die Gemeinde erreicht werden.
Bereits 1887, also 10 Jahre nach der Gründung war es soweit. Die erste, moderne Saug- und Druckspritze
wurde Angeschafft. Diese, von Justus christian Braun aus Nürnberg hergestellte Gespannpumpe, war der
ganze Stolz der Wehrmänner. Sie existiert heute noch und wurde beim Gründungsfest 2002 vor dem Festzelt
zur Schau gestellt
1897 fand erneut ein Bezirksfeuerwehrtag in Eberspoint statt. Schon damals trafen man sich gerne in
Eberspoint um im Trappentreu`schen Sommerkeller gemütlich und vor allen Dingen ausgiebig zu feiern, wie
aus nachstehenden abgedruckten Zeitungsbericht von damals zu lesen ist.
Eberspoint (Bezirksfeuerwehrtag) Aus Anlass des am Sonntag den 8. August in Eberspoint stattgefundenen
Bezirksfeuerwehrtages waren die Häuser dieses Ortes mit Fahnen geschmückt und hatte derselbe schon
äußerlich seine Sympathie für die Feuerwehrgäste bekundet. Den Empfang der Delegierten und sonstiger
Feuerwehrgäste um 10 Uhr Vormittags war ein herzlicher. Herr Bezirksfeuerwehrvertreter Däringer von hier
eröffnete die Delegiertenversammlung, hieß die zahlreich Erschienenen, namentlich aber die den Bezirksfeuerwehrtag
durch ihre Anwesenheit beehrenden Herren Bezirksamtmann Miller von Vilsbiburg und Kreisvertreter Kaufmann von
Landshut herzlich willkommen und endete mit einem begeistert aufgenommenen „Gut Heil“ auf dem Protokoll der
Feuerwehren, Seine kgl. Hoheit Prinz Luitpolt. Sodann wurde nach der Bekanntgabe der Tagesordnung die Neuwahl
des Bezirksersatzvertreters und zweier Ausschussmitglieder vorgenommen, welche nachfolgenden Resultate ergaben:
Als Bezirksersatzvertreter wurde Herr Xaver Gran, Lehrer von Gerzen und als Ausschussmitglieder die Herren Mart.
Auer, Seitenfabrikant von Vilsbiburg und Joh. Hingerl, Dekonom von Doberndorf gewählt, welche sämtlich die Wahl
dankend annahmen. Nach der nach 12Uhr beendeten Delegiertenversammlung fand gemeinsame Übung der freiw.
Feuerwehren Eberspoint, Tattendorf, Hauzenbergersöll und Bodenkirchen statt, die einen Beweis der tüchtigen
Schulung dieser Korps lieferte. Nach Erledigung der Tagesordn ung schloss sich das Mittagsmahl in der Brauerei
Trappentreu an, woran sich ca. 50 Personen beteiligten.
Nachmittags 3Uhr versammelten sich die Feuerwehrmänner noch in großer anzahl zu gemütlichem Beisammensein auf
dem wegen seiner schönen Lage viel bewunderten Trappentreu`ischen Sommerkeller und erst spät trennte man sich
unter dem Ruf: „Auf Wiedersehen im nächsten Jahr in Seiboltsdorf!“
Schließlich sei noch nebenbei erwähnt, dass, obgleich die gesamte Mannschaft, veranlasst durch das edle Malz
der hiesigen Brauerei, „im Löschdienst“ außerordentliche Tätigkeit entfaltete, einzelne „Brände ungefährlicher
Art“ nicht unterdrückt werden konnten. „Gut Heil“
Vilsbiburger Zeitung von 1897
Am 07. und 08. Juni 1902 feierte man zwei Tage lang das 25-Jährige Gründungsfest. Der Verwaltungsrat
der Feuerwehr lud zu dieser Jubiläumsfeier ein. Gefeiert wurde das Fest im Gasthaus Bögl und schon 1902
spielte die Veldener Musikkapelle.
Am 03. Juli 1927 konnte das 50-jährige Stiftungsfest gefeiert werden. Wie aus nachstehende abgebildeter
Einladung des Feuerwehrkommandos zu entnehmen ist, betrug das Mahlgeld zur damaligen Zeit pro Person
1,80 Mark, die Feuerwehren von Eberspoint und Ruprechtsberg mussten sich nachmittags um 2 Uhr einer
Inspektion unterziehen und es wurde eine Motorspritze vorgeführt.
Ebenfalls aus der Festrede zum 100-jährigen Bestehen ist ersichtlich, dass die vorhandene Standarte im
Jahre 1927 angeschafft wurde.
Ab 1927 verlieren sich leider sämtliche Aufzeichnungen, lediglich eine Namentliche Mitgliederliste der
aktiven Wehrmänner vom 01. September 1934 ist vorhanden. Aus einer von Georg Aimer abgegangenen
Verbandsstatistik aus dem Jahre 1937 ist ersichtlich, dass die Ortschaft Eberspoint 471 Einwohner hat
und davon 37 Personen aktiv ihren Dienst bei der Feuerwehr leisten. Damals besass die Feuerwehr zwei
Handdruckspritzen von 1877 und 1905 und als Feuerlöschteiche wurden 7 Weiher und die Vils gemeldet.
Erst nach dem 2. Weltkrieg finden sich wieder Unterlagen. So hatte man nach dem Krieg keinen Kassier bei der
Feuerwehr und Kommandant Aimer musste deshalb die Einnahmen aus dem Feuerwehrball vom 17. Februar 1947
vorläufig an die Gemeinde übergeben. Es waren immerhin 3.339,-- Reichsmark.
Am 08. Juli 1947 war es dann so weit. Aus Wehrmachtsbeständen erhielt die Feuerwehr die erste Motorspritze,
eine TS8, Gasstrahl N, Baujahr 1939. Diese Spritze befindet sich auch heute noch im Besitz der freiwilligen
Feuerwehr Eberspoint und ist im Gerätehaus ausgestellt. Gleichzeitig wurde der vorhandene Schlauchtender
Anhänger) abgezogen und einer Stadtfeuerwehr übereignet. In einem diesbezüglichen Scheiben an die
Gemeindeverwaltung wurde angewiesen, die ausgeliehenen Räder und Reifen wieder einzuziehen, sowie die 2
fahrbaren Schlauchhaspeln bereitzustellen. Als Ausgleich für den Abzug des Schlauchtenders erhielt die
Feuerwehr aus Wehrmachtsbeständen einen leichtbeschädigten Tragkraftspritzenanhänger mit Felgen, aber ohne
Bereifung. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Anhänger mit aufgezogener Notbereifung seinen Zweck vollauf
erfüllt.
In der Jahreshauptversammlung am 25. Oktober 1959 erwähnt man, für das Jahr 1960 eine Fahnenweihe abzuhalten.
Dies wurde erörtert und die Versammlung stimmte zu, jedoch wollte man zu diesem Thema eine eigene Versammlung
abhalten.
Diese Versammlung fand am 6. Januar 1960 im Gasthaus Bögl statt. Nachdem die überwiegende Mehrheit der Anwesenden
für eine Fahne war, fragte Kommandant Alois Scheidhammer den Bürgermeister Fürst, was der Gemeinderat dazu meint
und ob sie mit einer Fahnenweihe im Sommer 1960 einverstanden sind. Der Bürgermeister gab bekannt, dass nicht
dagegen einzuwenden sei, jedoch die Gemeinde keine finanzielle Unterstützung geben könne, weil sie sich durch
die Straßenteerung 1959 noch in Schulden befinde.
Bürgermeister Fürst, der zugleich 1. Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr war, legte in dieser Sitzung sein Amt
als Vorsitzender nieder, weil er der Ansicht war, dass es nicht gut sei, wenn sich diese Ämter auf eine Person
vereinigen. Als sein Nachfolger wurde Martin Rauchensteiner gewählt.
In der nächsten Festausschusssitzung wurde als Termin für die Fahnenweihe der 10. Juli 1960 festgelegt.
Schirmherr sollte Landrat Dr. Hartl werden und man verband die Fahnenweih mit dem 80-jährigen Stiftungsfest.
Die alte Standarte von 1927 sollte auch von altgedienten Wehrmännern getragen Werden. Es waren dies Josef Dietl
als Träger sowie Anton Bauer und Philipp Umkehrer als Beiständer.
Der Weckruf erfolgte um 5.30 Uhr. Anschließend das Wecken der Fahnenmutter Anna Birnkammer, Altkommandant
Georg Abholzer, Altkommandant Georg Aimer, Altbürgermeister Georg Obermeier und Fahnenbraut Waltraud Fischer.
Um 7.30 Uhr wurden die Vereine an beiden Ortseingängen empfangen, um 9.30 Uhr Kirchenzug zur Feldmesse am
Kellerberg mit anschließendem Festakt am Kriegerdenkmal. Festredner war Oberlehrer Schweiger. Weitere
Festjungfrauen waren: Wilhelmine Luginger, Anni und Maria Gilch, Karin Patsch, Edda Singer, Resi Zankl,
Lisbeth Scheuerer, Waltraud Maier, Marianne Scheidhammer, Frieda Mittermeier und Traudl Ringhut.
Nach dem Festakt, bei dem Landrat Dr. Hartl auch Ehrenzeichen für 50-jährige, 40-jährige und 25-jährige
Dienstzeiten überreicht, marschierte man zum gemeinsamen Mittagsmahl ins Festzelt.
In der Jahresversammlung am 03. November 1962 wurde Georg Birnkammer von Lug als neuer 1.Vorstand für den
erkrankten Martin Rauchensteiner gewählt.
Wie aus dem Protokoll einer außerordentlichen Versammlung vom 29.06.1963 hervorgeht, wurde im Herbst diesen
Jahres ein neuer Anhänger angeschafft. Da die Höchstgeschwindigkeit für diesen Anhänger nur 20km/h war, durfte
dieser nicht mehr an den Lkw von Lorenz Schuerer angehängt werden. Karl Kolb, Philipp Eilingsfeld und Lothar
Attenberger wurden als Schlepperfahrer aufgestellt.
In der Jahreshauptversammlung am 17. November 1963 wurde Josef Bergmeier von Birnkam als neuer Vorsitzender
und Josef Scheibinger als 1. Kommandant gewählt.
Im Jahre 1965 wurde die alte Motorspritze von 1939 außer Dienst gestellt und eine moderne Spritze angeschafft.
Pfarrer Nikolaus Schmaderer nahm im Beisein von stellv. Landrat Geiselbrechtinger und Oberinspektor Seiler vom
Landratsamt die Weihe vor, anschließend wurde die neue Motorspritze bei einer Übung am Schmied Weiher vorgeführt.